Heuer feiert der FC Witikon sein 75-jähriges Bestehen. Warum dem FCW trotz vieler Festanlässe nicht nur zum Feiern zumute ist, erklärt Ivo Leiss, der Präsident des Klubs.
Interview: Ferry Hermida, aus Züriberg Nr. 28/29, 10. Juli 2008
«Wenn man absteigt, hat man sicher auch Fehler gemacht»: Interviewpartner Ivo Leiss, Präsident des FC Witikon. Bild: fh.
Ivo Leiss, der FCW feiert sein 75-Jähriges. Welches Fazit ziehen Sie vom Jubiläumsjahr?
Alles in allem gab es in diesem Jahr im Verein ziemlich viel Positives zu berichten. Sportlich haben mehrere Mannschaften vorzügliche Resultate erzielt. Zudem verliefen die Anlässe, welche wir bisher zu unserem Fest organisiert haben, praktisch zu bester Zufriedenheit.
Aber…?
Aber, es war natürlich ein grosser Dämpfer, dass unsere 1. Mannschaft von der 2. Liga abgestiegen ist. Sie ist unser Aushängeschild und zieht dadurch die meisten Blicke auf sich. In der Öffentlichkeit redet man nun eher über diesen Abstieg als über die Aufstiege unserer Senioren und Veteranen oder über die guten Klassierungen unserer Juniorenmannschaften. Und natürlich nagt der Abstieg als solches auch am Vorstand. Auch bei uns herrscht Frust.
Was war der Grund für diesen Abschied? Vor der Saison hatte der Verein sich klar höhere Ziele gesteckt.
Das stimmt. Wir waren guter Dinge, weil wir damals in Simo Mouidi einen Trainer gefunden hatten, von dem wir glaubten, dass er uns mit seiner Erfahrung und seinem Fachwissen vorwärts bringen könnte. Allerdings hat die Chemie zwischen ihm und dem Team nie so richtig gestimmt. Die schlechten Resultate sind teilweise darauf zurückzuführen. Darum holten wir in der Winterpause mit Felix Bollmann auch einen neuen Trainer.
Allerdings hat dieser Wechsel – zumindest sportlich – nicht gefruchtet.
Resultatmässig hat er schon gefruchtet. Wir haben daraufhin beinahe doppelt so viele Punkte gesammelt, wie unter Moudi. Unglücklich waren die Umstände in unserer Gruppe. Die in der Tabelle weiter oben klassierten Teams gaben plötzlich viele Punkte ab, während die Mannschaften im Abstiegskampf eine ähnliche Entwicklung wie wir aufwiesen. So reichte es zum Schluss dennoch nicht. Aber Bollmann hat kaum etwas zum Abstieg beigetragen. Im Gegenteil, er hat mit Magnus Carlsson, seinem Assistenten, gute Arbeit geleistet.
Wie lautet denn nun die Fehleranalyse?
Ich denke, unser Saisonstart hat uns in den Abstieg getrieben. Wir fuhren zuerst zwei sehr unglückliche und auch unverdiente Niederlagen ein. Das waren Schläge auf das Selbstvertrauen der Mannschaft. Deren Vertrauen in den Trainer nahm zudem ebenfalls ab. Der Verein hat das aber erkannt und reagierte mit einem frühen Trainerwechsel. Solche Massnahmen sind ja in der 2. Liga nicht gerade üblich.
Also hat man keine Fehler gemacht?
(überlegt lange) Wenn man absteigt, so hat man sicher auch Fehler gemacht. Ich kann allerdings keine grundlegenden Fehler festmachen. Alle Beteiligte haben gute Arbeit geleistet. Aber manchmal braucht es keine grossen Fehler, dafür sind die Unterschiede in der 2. Liga zu klein. Ich glaube immer noch, dass mit einem guten Start Vieles anders gekommen wäre. Wir hätten auch mit Mouidi als Trainer nicht zwingend absteigen müssen.
Wie sieht nun die Zukunft aus?
Es wird logischerweise einige Abgänge in der 1. Mannschaft geben. Wichtig ist jedoch, dass der Trainer und ein Gros der Spieler bleibt. Die Zusammenarbeit mit Felix Bollmann ist tadellos. Auch Marcel Michel, der Trainer der 2. Mannschaft, trägt viel dazu bei, dass wir optimistisch in die Zukunft blicken können. Wenn wir zudem weitere positive Sachen herauspicken wollen: Man kann diesen Abstieg auch als Chance sehen.
Wofür?
Für unsere Junioren. Wir haben nun die Möglichkeit, junge Spieler sukzessive in die Mannschaft einzubauen, ohne dass ein grosser Druck auf ihnen lastet. Das war im Abstiegskampf schlecht möglich.
Und wann spielt der FC Witikon also wieder in der zweiten Liga?
Wir hoffen, dass Felix Bollmann uns in seiner Amtszeit wieder dorthin führt. Es sollte jedoch möglichst nicht so lange dauern wie nach dem letzten Abstieg 2000, als wir fünf Jahre warten mussten.
Wird der sportliche Misserfolg der 1. Mannschaft nun negative Auswirkungen auf die Festlichkeiten des Vereins haben?
Bis anhin verlief eigentlich alles glatt, obwohl das Abstiegsgespenst eigentlich immer über unserer 1. Mannschaft schwebte. Die Anlässe des FC Witikon wurden gut besucht. Auch das Sommerfest im vergangenen Juni, welches mitten der Fussball-Europameisterschaft stattfand. Ich denke also, wir müssen uns keine Sorgen machen, Freunde oder Besucher zu verlieren.