Im letzten Herbst hielten wir plötzlich einen Katalog vom Eurosportring in den Händen. Die Idee, an einem Turnier teilzunehmen, stiess sowohl bei Junioren wie auch bei Eltern auf offene Ohren. 14 von 17 Junioren und genau so viele Erwachsene meldeten sich
Das magische Wort Frankreich liess alle hellhörig werden, auch wenn Bartenheim im Elsass nur etwa 10 km von Basel entfernt liegt und unser Hotel in Huninge sich noch näher an der Schweizer Grenze befand. Wer konnte denn schon behaupten, mit den Junioren E schon an einem internationalen Turnier teilgenommen zu haben?
Viele Wege führen nach Basel
Am Freitag vor Pfingsten starteten wir am späten Nachmittag in Witikon mit verschiedenen Privatautos. Schon nach wenigen Minuten florierten die Handytelefonate von Auto zu Auto, da jeder angeblich einen noch schnelleren Weg durch die verstopfte Stadt auf die Autobahn Richtung Basel kannte. Schliesslich hatten wir uns alle nach dem Belchentunnel wieder gefunden und fuhren geschlossen der Grenze, dem Turnierort, dem Hotel und dem Nachtessen entgegen. Letzteres war dann ziemlich ungeniessbar, dafür war das Hotel mit seinen Zweierzimmern ein Hit für die Spieler. Wir Erwachsenen schauten schon ein bisschen kritischer hin und machten punkto Sauberkeit und vor allem wegen der geschlossenen Bar schon die ersten Abstriche. So gegen 23 Uhr war dann tatsächlich schon so etwas wie Ruhe eingekehrt (bei den Spielern), nur die Eltern vergnügten sich noch zu Zehnt bei einigen Flaschen Wein in einem Zweierzimmer und reklamierten, weil kein Plättli vorhanden war. Der entsprechende Auftrag für den nächsten Tag war schnell erteilt.
Internationale Unerfahrenheit in den Gruppenspielen
Nach dem Frühstück am anderen Morgen fuhren wir gemeinsam zur Eröffnungszeremonie mit Schweizer Fahne und Nationalhymne. Alle waren beeindruckt, hatten aber im Hinterkopf schon die Gruppenspiele präsent. Unsere Gegner kamen aus Deutschland, Frankreich und Belgien. Wir spielten zwar gut mit, erarbeiteten uns Chancen über Chancen, aber offenbar ist es Im Ausland schwieriger das Tor zu treffen als in der Schweiz. So bezahlten wir unsere internationalen Unerfahrenheit mit drei Niederlagen, unter Anderem gegen den späteren Turniersieger mit 2:3 nach einer 2:1 Führung. Die angeschlagene Moral musste also wieder aufgepäppelt werden.
Der erste Sieg im ersten Klassierungsspiel
Und tatsächlich, als es um die Klassierungsspiele ging, gewannen wir den ersten Match überlegen mit 4:1. Die Deutschen wurden richtig gehend überrannt und die Wut im Bauch wurde in konstruktive Energie umgesetzt. Nach einem regnerischen Tag und einer zusätzlichen Hoteldusche näherten wir uns etwas skeptisch dem zweiten Nachtessen. Doch diesmal wurden wir positiv überrascht und konnten den Eltern, welche lieber ein Restaurant in der Nähe vorzogen, nur Bestnoten übermitteln.
Auf dem Suche nach dem passenden Beruf...
Zurück im Hotel war es schon etwas schwieriger, die gewünschte Nachtruhe herzustellen. Zwei Junioren fanden wir als Gärtner hinter dem Hotel, einer war als FUST-Vertreter in einem anderen Zimmer unterwegs. Eigentlich praktisch für den Trainer, denn drei der vierzehn Junioren mussten sowieso abwechslungsweise bei jedem Spiel zuschauen. Die Wahl war also schnell gefallen und ich musste mir keine Gedanken über das Kader fürs erste Spiel am anderen Morgen machen, sondern konnte mich mit Hingabe dem Plättli und dem wieder aufgefüllten Weinvorrat widmen. Nachdem auch noch Martin Grob nach Mitternacht angekommen war, war das besagte Zweierzimmer noch mehr bevölkert als am Vorabend. Weit nach Mitternacht oder so herrschte dann auch bei den Erwachsenen Ruhe.
Der 12. Schlussrang
Am Sonntag waren die letzten zwei Klassierungsspiele angesagt, aber irgendwie wusste das Runde in Frankreich einfach nicht, dass es ins Eckige gehörte. So beendeten wir dann das Turnier auf dem 12. Platz. Aber wir schworen uns: nächstes Jahr machen wir es besser. Am Nachmittag bewunderten wir dann noch die Finals der Kategorien E bis B. Anscheinend schauten wir ganz genau hin, denn die Auswirkungen in den nachfolgenden Meisterschaftsspielen waren frappant. 38:4 Tore aus vier Spielen waren die Bilanz.
Pokal und ein «Chilbibesuch» zur Belohnung
Bei der Rangverkündigung hellten sich dann auch die letzten Minen wieder auf. Einen solch riesigen Pokal bekommt man in der Schweiz auch für einen Turniersieg nirgends. Dem wiederum ausgezeichneten Nachtessen folgte noch ein ausgiebiger «Chilbibesuch» in der Nähe unseres Hotels. Durchgeschüttelt vom Autoscooter und der Berg- und Talbahn machten wir noch die Schiessstände unsicher, und im Gegensatz zur Schweiz gabs wenigstens in diesem Bereich in Frankreich nur Gewinner. Mit vollen Händen und sichtlich müde wurde es im Hotel ein toleranter Abend mit Junioren und Eltern?, na ihr wisst ja schon.
Der Traum von der nächsten Reise
Am Pfingstmontagmorgen trennten sich dann die verschiedenen Wege. Die einen hatten ein leichtes Reissen nach Hause, die anderen zog es direkt ins Joggeli an den Cupfinal und die Kulturbeflissenen besuchten noch das Tinguelymuseum in Basel, bevor auch der FCZ lockte. Wir sollten auch dort wie allgemein bekannt nicht enttäuscht werden und so waren dann gegen 20 Uhr abends auch die Letzten wieder in Witikon angekommen, sanken todmüde ins Bett und träumten schon von unserer nächsten Reise an ein Turnier, seien es nun Kinder oder Erwachsene?
Die Bilder von diesem Pfingstturnier finden sich in der Bildergalerie.