«Mein Eck, Dein Eck, Rheineck» (Spruchband an der Ortseinfahrt).

Sieben Jahren ist es her, da standen wir als ü50 im Halbfinal des Schweizer Cups, und verloren. Heuer, im covid’schen 2020, hatten wir es wiederum geschafft, unter die letzten Vier schweizweit zu kommen. Es kam aber auch das Virus und damit eine Streichung der Spiele durch den SFV. Wir werden nie erfahren, ob wir diesmal nicht das Zeug dazu gehabt hätten, Schweizer Cupsieger zu werden. Das wurmt.

Das wurmte so sehr, dass wir uns das Spiel nicht einfach so haben nehmen lassen wollen, uns darum beim Gegner einluden und anfangs August im Rahmen eines Freundschaftsspieles nach Rheineck SG fuhren. Bei gefühlten 34 Grad und uns ziemlich unvertrautem ostschweizerischem Regelwerk (kein Abseits!) verloren wir 4:6 gegen ein sehr gut organisiertes Team – das wir unter normalen Wettkampfbedingungen natürlich auseinandergenommen hätten.


Das Schöne am Dasein als ü50 ist aber, dass Niederlagen rascher verschmerzt werden können und dass mit dem «Schnuggenbock» ja schon früh das zweite grosse Ziel des Tages definiert war: eine Appenzellerische Erlebnisgastronomie mit sensationellem Blick auf den Alpstein, säugenden Ferkeln, begleitet von Akkordeonmusik, Wein aus der Region und deftigem Essen. Und als es dunkel wurde: die Milchstrasse, dazu Jupiter und Saturn hell leuchtend, und etliche Sternbilder gratis dazu.


Man könnte jetzt so manche Geschichte niederschreiben, was an jenem Tag im Vereinsbus, in der Garderobe, auf dem Platz, im Weinkeller, beim Eile-mit-Weile-Spielen so alles passierte. Es bleibe beschränkt auf ein tagesaktuelles Thema: Ausländer, Migration, Integration. Gemeint ist damit aber nicht der uns so fremde Dialekt im St. Galler Rheintal, auch wenn er extraterrestrisch dünkt und mit Berührungsängsten verbunden bleibt.


Aber es war da im «Schnuggenbock» einerseits die israelitische Bedienung mit hebräischem Akzent im Appenzeller Kostüm, wie wenn das die normalste Kombination der Welt wäre, und auch die Heidschnucken («Schnuggen») aus der Lüneburger Heide gehören anscheinend seit Jahrzehnten zur Appenzeller Biosphäre.


Thierry Michard (F) outete sich als registrierter Bürger der appenzellausserrhodischen Gemeinde Teufen und mit Murat Kurtulus (TUR) haben wir einen zugegeben nicht ganz urschweizerisch-reinrassigen Vertreter im Team, er war aber der einzige, der alle Toggenburger Lieder mit Akkordeonbegleitung mitsang, weil er die Texte kannte. Da waren wir dann doch leicht verunsichert in unserem Selbstverständnis. Integration über Gesang und Sprache.
Und so blieben zum Schluss eines gelungenen Tages zwei Erkenntnisse, Thierry sei Dank: Ein atypischer Appenzeller ist «ein bitzeli mehr gross», und ein Alpabzug definiert sich francophon als «Kuh geht runter in Kleid».


Ich bin bekennender Fan der kulturellen Hypervielfalt in unserem Land. Selten so viel gelacht.

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