Zu viele Fussballer und zu wenig Rasen

Fussball boomt in Zürich. Doch Plätze zum Trainieren fehlen. Jetzt plant die Stadt 13 neue Felder. Der Streit um die Standorte ist lanciert.

Kicken im Kollektiv ist beliebter denn je. Vor allem bei den Jungen, bei Ausländern und solchen der zweiten Generation. In den vergangenen 15 Jahren ist die Zahl der Junioren in der Stadt Zürich um ein Drittel gestiegen. "Allein wegen dieser Zunahme wären acht neue Plätze nötig", sagt Sportamtchef Ernst Hänni. Hännis Ziel ist klar. Er möchte den Bestand von 80 regulären Fussballplätzen in den nächsten Jahren auf 90 erhöhen. Auch dann habe man in Zürich die vom Schweizerischen Fussballverband geforderten 100 Plätze noch nicht erreicht. Wo und wann trainieren?Auf den bestehenden Plätzen bringt man den Meisterschaftsbetrieb noch einigermassen über die Runden, wenn das Wetter mitspielt. "Dramatisch jedoch ist die Situation im Trainingsbereich", gibt Ernst Hänni zu bedenken. Heute trainieren einzelne Mannschaften mehrmals in der Woche, sogar Klubs der 4. und 5. Liga. Letztes Jahr nutzten 375 000 Fussballer die städtischen Anlagen allein fürs Training. Oder anders gesagt: Jeder Rasenplatz wird pro Woche im Durchschnitt 30 Stunden beansprucht und damit überbelastet. Müssen Spiele, die an einem Wochenende wegen der schlechten Witterung ins Wasser fallen, unter der Woche nachgeholt werden, sind just jene Plätze und Garderoben besetzt, die eigentlich fürs Training vorgesehen sind. "Das ist ein Dilemma, das bei den Klubs immer wieder Unzufriedenheit auslöst." Der Stadtrat hat am Donnerstag Vorschläge präsentiert, wie er aus diesem Engpass herausfinden möchte. In Zusammenarbeit mit dem Gartenbau- und mit dem Sportamt schlägt das Hochbaudepartement in seiner Weisung drei Standorte vor, wo insgesamt zehn neue Rasenplätze entstehen sollen (siehe Grafik): Untere Islern, Altstetten: Das Landstück zwischen der Industriezone Vulkanstrasse und den westlich gelegenen Sportplätzen gehört der Stadt und dient als Familiengartenareal. Darauf sind vier Plätze vorgesehen. Die Gärtner müssten den Fussballern weichen. Weiter unten in Schlieren sei für die Hobbygärtner ein attraktiver Ersatzstandort gefunden worden, schreibt der Stadtrat in der Weisung. Die Leute müssten da weniger Bahnlärm und weniger Autoabgase in Kauf nehmen. Trotzdem werden sie sich aber für ihr Häuschen und ihre Beete zur Wehr setzen, prophezeit Sportamtchef Ernst Hänni. "Das gibt Theater." Dunkelhölzli, Altstetten: Auf einem privaten Gärtnereiareal entlang dem Salzweg und angrenzend an den Friedhof Eichbühl möchte die Stadt drei neue Plätze erstellen. Der Eigentümer scheint jedoch nicht zum Verkauf bereit. Und auch Quartierbewohner laufen Sturm. Im Grund, am Hönggerberg, an der Emil-Klöti-Strasse: Zwischen der ETH und dem Schiessplatz sollen drei Rasenplätze an die bereits bestehenden angeschlossen werden. Auch dieser Standort ist umstritten. In Höngg hat sich schon längst Widerstand formiert. Die Bevölkerung möchte das freie Wiesland Wiesland sein lassen. Hochbaudepartementsvorsteher Elmar Ledergerber ist sich dessen bewusst: "Ob wir das durchbringen, ist eine andere Frage", mutmasste er unlängst in einem Interview im Tages-Anzeiger vom 8. Mai. Umzonungen nötigUm die Pläne zu verwirklichen, sind Änderungen der Bau- und Zonenordnung (BZO) nötig. Die betreffenden Gebiete müssen neu in die Erholungszone umgeteilt werden. Die stadträtliche Weisung geht übernächste Woche in die gemeinderätliche Kommission. Noch vor den Sommerferien aber soll das Geschäft, es ist die umstrittenste Revisionsvorlage im Rahmen der neuen BZO, in den Gemeinderat kommen. "Das Parlament muss dann Farbe bekennen, ob es die dringend benötigten neuen Rasensportanlagen will oder nicht. Das wird die Stunde der Wahrheit", macht Ernst Hänni deutlich. Sicher ist eins: Das so genannte Sportstättenpaket ist brisant und wird im Rat für rote Köpfe sorgen. Nach dem Willen des Stadtrats sollen zudem in Seebach noch drei Fussballplätze gebaut werden, im heiss umkämpften Gebiet Gugel-Anwandel. Das Geschäft kommt in einer separaten Weisung bald ins Parlament. Vom Tisch hingegen scheint der Vorstoss aus den Reihen der CVP-Fraktion, auf dem Entlisbergdeckel über der A 3 in Wollishofen Fussballplätze zu errichten. Der Stadtrat beantragt dem Gemeinderat, das Postulat abzulehnen. Auch wenn Claudia Rütsche und Robert Schönbächler wissen, dass ihre Forderung kaum Erfolg haben wird, weil auf dem Entlisberg die Parkplatzfrage ohnehin nicht zu lösen ist, halten die beiden daran fest. Sportamtchef Hänni ist da realistischer: "Auf der Autobahnüberdachung hat nur ein Fussballfeld Platz, da lohnt sich kaum eine Bewirtschaftung", meint er. Ständig auf der SucheDie Debatte um Trainingsplätze ist damit nicht beendet. Sie steht auch in engem Zusammenhang mit dem Stadionneubau auf dem Hardturmareal. Den GC-Fussballern hat der Stadtrat vier Trainingsplätze auf dem Juchhof angeboten, weil ihre eigenen auf dem Hardturm im Rahmen des Grossprojekts überbaut werden. Zurzeit wird mit GC darüber immer noch verhandelt. So oder so muss die Stadt auf die Suche nach Ersatzanlagen für jene Plätze gehen, die GC in Anspruch nehmen wird. Darüber hinaus plant das Gartenbauamt auf dem Juchhof eine neue, grössere Parkierungsanlage mit direkter Zufahrt zur Bernerstrasse. Und falls der Sanierung und dem Ausbau des Letzigrunds ein weiterer Trainingsplatz geopfert werden müsste, müssten gar fünf zusätzliche Rasensportfelder noch gefunden werden. Konflikte mit Quartiervereinen und anderen Interessenvertretern werden dabei stets die Hauptrolle spielen. Schauplatz des nächsten Kapitels ist Wollishofen. An den Waldrand des Entlisbergs, unmittelbar neben der Pudelwiese, sollen nach neusten Plänen jene Plätze verlegt werden, die zurzeit vom FC Wollishofen auf Adliswiler Boden in der Nähe der "Grüt-Farm" benützt werden. Sie müssen früher oder später der Überbauung in der Sonnau weichen.

Über den FC Witikon

Der FC Witikon ist ein mittelgrosser Verein am Stadtrand von Zürich. Wir bieten eine qualitativ hochstehende Fussballinfrastruktur für Jungen und Mädchen ab 5 Jahren und für Männer und Frauen bis 99 Jahre.

Zahlen & Fakten

Kontakt

FC Witikon
8053 Zürich

+41 76 680 80 53
info@fcwitikon.ch