Der FCW geht viral

Eine einundvierzigste Kurzgeschichte – Marx


Subito! Subito sollen sie wieder loslegen, die Profis in ihren Proficlubs mit ihren Profiwerbeverträgen und den profimässigen Vertriebssystemen, mit oder ohne Hygienekonzept, egal. Es muss wieder gespielt werden, notfalls auch in Geisterspielen.


Ein ausgemachter Blödsinn. Wer kommt auf so was. Typen, die einen firmenfinanzierten Lederstuhl in der Cüplibar hoch oben im Stadion haben, aber die meiste Zeit eh mit dem Rücken zum Spiel das Buffet belagern? Fussball ist laut. Fussball ist dreckig. Fussball ist aufreibend. Fussball ist Hormone pur. Keine Zuschauer, das ist null Ambience, null Applaus, null Haareraufen, null Reingarnichts. Da sind ja nicht mal Geister.

Fussball heute, das ist doch bloss noch eine gigantische, seelenlose Geldmaschine, und Infantinos, Platinis, Beckenbauers und Clubpräsidenten haben volle Taschen. Darum der marxistische Ansatz: wenn schon wieder gespielt wird, dann bitte zuerst in den unteren Ligen. Dort wo der Fussball herkommt. Von den holperigen Wiesen. Lokal statt global. Vor 32 Zuschauern. Ohne Linienrichter. Krumme Linien. Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln. Der Fussball kommt aus dem Volk, gehört dem Volk, ist das Volk. Der bezahlte Profifussball kann uns gestohlen bleiben. Es lebe die 5. Liga.


Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter

NB: Den Text kann man in ähnlichem Sinn und Geiste auch hören, man google Radio SRF 1, Corona-Krise als Wendepunkt für den Fussball. Interview mit Pedro Lenz, Schweizer Autor und Fussballfan, Dauer 6:06.