Der FCW geht viral

Eine neununddreissigste Kurzgeschichte – Konjugation


Es ist ein anständiges Wort, entgegen vielleicht erster Befürchtungen. Es geht um Grammatik.

Das Schutzkonzept des FC Witikon sieht verschiedene Massnahmen gegen den Virus vor. In den komplexen und zahlreichen Bestimmungen finden sich ein paar sehr schöne Verben. Ihre (zugegeben völlig unnötige) Konjugation offenbart die Komplexität und Schönheit unserer Schriftsprache.


Niesen (Schutzkonzept sagt: in die Armbeuge!), Konjunktiv Futur II, erste Person Plural: wir würden geniest haben.
Spucken (Schutzkonzept sagt: nie!), Konjunktiv II Plusquamperfekt, zweite Person Singular: du hättest gespuckt.
Desinfizieren (Schutzkonzept sagt: immer!), Indikativ Präteritum, zweite Person Plural: ihr desinfiziertet.

Der Konjunktiv II gefällt mir am besten. Gäbe es Spiele, drösche ich auf den Gegner ein. Pfiffe ein Schiri, litte ich ob der Fehlentscheide; Und wenn ich reklamierte, flöge ich vom Platz, und söffe mir nachher vielleicht einen an. Und falls es den Leser, die Leserin nun deucht (Stamm: dünken), ich hätte übertrieben (nicht: ich überträbte): Klar söffe ich nicht, ich läse vielmehr den Ehrenkodex des Vereins und käme zur Besinnung.



Beät Eberschweiler
FCW-Korrespöndent
homeöffice, putzmunter