Der FCW geht viral

Eine achtunddreissigste Kurzgeschichte – Feuchtgebiete


Was den einen das Old Trafford oder die Anfield Road, das ist uns der Hau, der erste Tschuttiplatz des FC Witikon. Er war schon immer etwas holprig, aber meistens einfach feucht und lehmig-klebrig. Das war der Grund, wieso Bauer Krebser kurz nach Kriegsende problemlos auf dieses Stück Feld verzichten konnte. Der Boden gab einfach nichts her.


Mit einem Sommernachtsfest wurde 1948 die bescheidene Sportanlage am Waldrand eingeweiht. In einer kleinen Baracke wurden Eckfahnen, Lederbälle und das Sägemehl für die Linien verstaut. Umziehen musste man sich aber im Restaurant Post (den Jüngeren bloss noch als ehem. China-Restaurant Suan Long bekannt). Der Weg vom Hau war lang, vor allem nach Niederlagen. Dafür befand sich gleich über den Keller-Duschen das Stammlokal.

Erst 1966 konnte ein grösseres Garderobengebäude eingeweiht werden, Es gab für jede Mannschaft einen eigenen Raum, und Duschen – alles gleich neben dem Platz. Zwei Jahre später folgte die erste Flutlichtanlage. Luxus pur! Schon bald wurde die Clubhütte zur Partyzone. Es wurde gefeiert, getanzt, und auf dem Sofa in der Ecke entstand vermutlich das eine oder andere heutige FCW-Mitglied. Es gab sogar eine Untersektion «Kneippverein Witikon-Kaltbad» - gemeinsames Duschen unter intensiver Verwendung des Kalt-/Warmwasser-Wechsels. Schräg.

So schräg nicht. Es unterscheidet sich die «neue», 1975 eingeweihte Sportanlage mit ihrem grossen Garderobengebäude nicht gross von ihren Vorgängerversionen: das kurze Waschvergnügen endet regelhaft in etwas Kaltwasser, das aus einem oder zwei Düsenrinnsalen tröpfelt. Der Kampf um die wenigen etwas besser funktionierenden Duschköpfe ist gnadenlos.


Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter