Der FCW geht viral

Eine siebenunddreissigste Kurzgeschichte – Bescheidenheit

Als erfolgreicher Fussballer in den grossen Ligen Europas verdient man echt viel Kohle. Es stellt sich für diese jungen Männer die schwierige Aufgabe, wie man das gute Geld intelligent investieren soll. Vielleicht in den Schutzkauf grösserer Urwaldflächen im Amazonasgebiet? Oder in den Bau von Genossenschaftswohnungen?


Die Realität sieht anders aus – teure Klamotten, schwere Goldketten, ein paar Villen, und natürlich als ultimatives Statussymbol: Autos. Pierre-Emerick Aubameyang hat neulich einen Lamborghini Huracán Performante Spyder mit fluoreszierender Spezialfolierung gekauft, Kostenpunkt um 2,2 Mio € herum. Cristiano Ronaldo postete stolz seinen Bugatti Chiron, den 1500 PS starken Veyron-Nachfolger, Basispreis 2,9 Mio €. Bei Beiden stehen noch ein gutes Dutzend weitere Fahrzeuge in verschiedenen Farben und ähnlichem Preisniveau in den Garagen ihrer Anwesen.

«Wenn ich sehe, wie Bauarbeiter oder Krankenpfleger schuften müssen und dafür ein Gehalt bekommen, mit dem sie kaum über die Runden kommen, dann muss ich sagen: Natürlich verdienen wir Fussballer zu viel». Nein, dieser kluge Satz stammt nicht von Frank Ribery. Dem steckt nach einem Shitstorm nämlich immer noch sein 1200 €-Steak medium rare, rundherum dick blattvergoldet, im Hals.

Es geht auch anders: es gibt sehr gut verdienende Profispieler, die mit einen Nissan Micra ins Training fahren, die sich ihre Fussballschuhe auf Ebay kaufen und die bei Mario um die Ecke essen gehen. Und es werden in Äthiopien Brunnen gebaut mit Geld, das auf europäischen Fussballplätzen verdient worden war.

Besteht also noch Hoffnung? Lässt die Corona-Krise die vielen prahlenden jungen Männer vielleicht etwas demütiger werden? Wilhelm Busch, der Urvater der modernen Comics, meinte vor über einhundert Jahren: «Bescheidenheit ist eine Zier, doch es geht auch ohne ihr».

Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter