Aktive 1 - Trainingslager 2016 in Barcelona

Wenn der Mannschaftsgeist Hunger hat

Ein Bericht über das Trainingslager 2016 der 1. Mannschaft FC Witikon in Barcelona.

Das Trainingslager in Barcelona ist der traditionelle Höhepunkt der Rückrundenvorbereitung. Nach den kalten Winterabenden auf der Sportanlage Herrenschürli, kam das Trainingslager anfangs März zum besten Zeitpunkt. Mit guten Erinnerungen an das Vorjahr im Gepäck, flogen wir also nach Barcelona ab.

Unsere Zimmer bezogen wir im Hochleistungssportzentrum CAR in Sant Cugat. Die meisten Spieler kannten die Anlage bereits, während die letztjährigen Neuzugänge das erste Mal das Trainingslager in der katalanischen Region erlebten.

Nebst dem eigentlichen Ziel, die Mannschaft spielerisch optimal auf die Rückrunde vorzubereiten, ist das Erstarken des guten Mannschaftsgeistes die sekundäre Ambition eines solchen Lagers (bspw. Integration der ex-FCS-Spieler). Das Trainieren, Erleben und Sein in einer ungewohnten Umgebung, beschleunigt oftmals das Bilden eines soliden Teamzusammenhaltes. Zudem ermöglicht ein mehrtätiges Lager auch wichtiges Zusammensein der Spieler abseits des Fussballplatzes.

So war es wichtig und richtig, dass auch dieses Jahr wieder legendäre Geschichten erlebt wurden, die noch lange gemeinsam erzählt werden.

Doch erst einmal stand die erste Trainingseinheit auf dem Programm, die auch sogleich auf das abendliche Testspiel gegen den FC Valldoreix vorbereiten sollte.

Es war nicht nur wichtig in Form zu kommen, sondern auch sich an das Spiel auf dem Naturrasen zu gewöhnen. Nach dem mehrmonatigen Training auf dem Kunstrasen, spürte so manch ein Spieler die Umstellung in den Beinen. Trotzdem war die Vorfreude und die Motivation auf das anstehende Spiel gross. Das Messen mit Teams von anderen Ländern war schon in der Zeit als Junior ein erfahrungsreiches Ereignis.

Tore auf beiden Seiten

Dieses Jahr stand uns der FC Valldoreix als Gegner gegenüber. Valldoreix ist das Nachbarstädtchen von Sant Cugat. Fast auschliesslich waren die Gegenspieler zwischen 20 und 23 Jahren jung. Der FCW startete gut in die Partie, spielte ruhig und sicher und schoss bereits in der ersten Halbzeit zwei Tore. In der zweiten Hälfte des Spiels, liessen beide Teams Chancen zu und es fielen Tore auf beiden Seiten. Verdienterweise gewann der FCW mit 4:3 und setzte so ein Zeichen für die kommende Rückrunde.

Vom Spiel ermüdet und in Anbetracht der noch bevorstehenden Abende, verlief der Donnerstagabend ruhig. Gemächlich aber amüsant assen und tranken wir in einer spanischen Tapas Bar in Sant Cugat. Aus vielen regionalen Spezialitäten wurde ausgewählt. So landete Serrano Schinken, Meeresfrüchte und Entenleber auf den Tellern. Für einen Spieler war das Stillen des Durstes wichtiger als der Hunger. So kam es, dass er zu später Stunde noch ein Solo-Ausflug in das doch 25 km entfernte Barcelona machte.

Unsportlichkeiten und Betrügereien

Am Freitag trainierten wir erneut. Der Minigames-Parcour stellte den Teamzusammenhalt auf die Probe. Da die Verlierer der Aufgaben die ersten beiden Wochen der Rückrunde zu Material- und Wasserträgern abgestraft wurden, wollten alle Spieler dringendst gewinnen. Unsportlichkeiten und Betrügereien, welche zusätzlich durch falsche Schiedsrichterentscheide verstärkt wurden, waren die Folge. Der erblühende Teamgeist erlitt einen Rückschlag.

Nach der Aufregung des Trainings entspannte ein grosser Teil der Mannschaft auf der Sonnenterrasse. Zwischen vielen Spielern kamen spannende Gespräche zustande. So erklärte Fabio wie er ein Soja-Produkt in der Schweiz importiert und verkauft. Doch bei derart seriösen Themen blieb es oft nicht lange. Triebhaft bündelte sich der Mannschaftskonsens auf wichtigere Anliegen wie schöne Frauen, Ausgang und die Geschichten des letztjährigen Lagers. Die Eskapaden des Kapitäns schwangen stets mit und wollten wiederholt erzählt werden.

"Uno mas!"

Der Freitagabend war als Freizeit eingeplant und die Spieler zog es in kleineren Gruppen nach Barcelona. Bevor uns das klassische Grossstadt-Gruppen-Phänomen (Niemand hat einen Plan wohin wir jetzt gehen) erreichte, nahmen wir in einer Bierbrauerei Platz. Der Gruppengrösse entsprechend (Acht Leute) musste ein Acht-Liter-Bierturm vorerst reichen.

Wir assen, tranken und lachten und die Gespräche waren laut und lustig. Als dann ein Spieler eröffnete, dass er ein Kind erwartet, war dies der Startschuss für eine Nacht der Art Junggesellenabschied. In voller Freude über den künftigen Nachwuchs, aber auch im Mitgefühl der steigenden Verantwortung war eines klar: Heute Nacht musste richtig eskaliert werden.

Dieser Idee folgend entstand der Leitspruch der Nacht: Uno mas! So war es nur normal dass viele Spieler am Samstag mit mehreren Clubstempeln auf dem Handgelenk und stinkend aufwachten. Von sehr wild bis eingeschlafen im Club waren alle Ausgangstypen vertreten.

Die harten Kerle, die trotz Kater und Birne den folgenden Tag geniessen wollten, durften sich beim Beachsoccer, im Kraftraum oder am Swimmingpool austoben. Im sehr gut ausgestalteten Kraftraum stählten einige ihre Muskeln, bis die Damen der spanischen Wasserpolo-Nationalmannschaft einfuhren. Nach dem Motto abfliegen oder blamieren verliessen sie die Anlage.

Ein weiteres Highlight des Aufenthaltes in Barcelona war das Besuchen des Meisterschaftsspiels FC Barcelona – FC Getafe im berühmten Stadion Camp Nou. Messi, Neymar und Co enttäuschten nicht. Die Gäste wurden mit einem satten 6:0 nach Hause geschickt.

Das Trainingslager neigte sich dem Ende hin. Der Mannschaftsgeist wurde durch die lustigen gemeinsamen Erlebnisse genährt. Besonders durch die eingeschworene Verschwiegenheit („Das bliebt under eus Jungs!“) konnten alte Vertrauensbasen gestärkt und neue gebildet werden. Zudem gewannen wir das Testspiel, und erreichten somit das sportliche Ziel.

Nun gilt es in der Rückrunde die bisherigen Leistungen zu bestätigen, was sicher kein leichtes Anliegen wird. Umso wichtiger ist guter Zusammenhalt auch im Falle einer Niederlage. Mit der richtigen Einstellung wird der FCW auch diese Aufgabe meistern!

Herzlichen Dank an den Vorstand, Sponsoren, den Präsidenten, Mäni und an alle  Teilnehmer für die aufregende Zeit in Barcelona.